Graue Stadt

Graue Stadt Buchcover
Coverentwurf für den dystopischen Roman „Graue Stadt“

Graue Stadt ist ein dystopischer Roman, an dem ich seit Frühling 2018 (seit Herbst 2018 aktiv) schreibe und illustriere. Auf dieser Seite erfahrt Ihr, worum es geht, wie ich an so ein Buchprojekt rangehe, seht Zeichnungen und erfahrt den aktuellen Stand des Projektes.

Graue Stadt – Inhalt

Im Jahr 2076 hat sich die Welt weiterentwickelt. Man muss nicht mehr arbeiten, die Zukunft dient der reinen Selbstverwirklichung. Das Leben findet ausschließlich in Städten statt und die Gesellschaft genießt einen wirtschaftlichen Boom. Man erfährt, dass sich eine zweite Menschenrasse abgespalten hat, die auf den Namen Homo sapiens secundus getauft wurde, sie werden Secundi genannt, oder einfach nur Zweite. Vor 20 Jahren, während der Großen Aufstände, wurden sie von den Homo sapiens getrennt und in anderen Städten untergebracht. Dort verrichten sie leichte Arbeiten, heißt es.

Eines Tages erwacht Antonia aus ihrem trüben Alltagsleben, das aus stumpfer täglicher Arbeit, kargen Mahlzeiten und körperlicher und geistiger Ermüdung besteht. Jahrelang haben sie und die anderen Stadtbewohner täglich eine Spritze bekommen, die ihr Gedächtnis löscht und die Arbeiter gefügig macht. Antonia nutzt einen klaren Moment und entflieht ihrer Arbeiterkolonne.

Graue Stadt - Hauptcharaktere Antonia und Elyas in Farbe
Antonia und Elyas

Sie wird von anderen Geflohenen aufgenommen und erinnert sich nach und nach an ihre Vergangenheit und ihren Vater, ein Politiker, der sich gegen die gesellschaftliche Teilung und Benachteiligung der Zweiten eingesetzt hatte. Als wichtige Sympathieträgerin für seine Bewegung sollte die damals 7-jährige Antonia während der Großen Aufstände eigentlich ermordet werden, doch sie wurde stattdessen mit den Secundi in eine der grauen Industriestädte deportiert. Nun wird sie losgeschickt, um in die Hauptstadt zu gelangen und ihren Vater zu finden.

Elyas aus der Hauptstadt ist Soldat geworden um die Secundi kennenzulernen und mit ihnen zu arbeiten. Als er die schreckliche Wahrheit erfährt und gezwungen wird, sie zu verschweigen und sogar schwache, arbeitsunfähige Secundi zu töten, verliert er jegliche Lebensfreude. Eines Tages findet er im kargen Land Antonia, die entkräftet zusammengebrochen ist. Eigentlich sollte er sie töten, doch er versteckt sie und pflegt sie gesund. Sie verlieben sich ineinander und Elyas schöpft neuen Lebensmut, als Antonia ihn in ihre Pläne einweiht. Über Weihnachten nimmt er seine Freundin mit in die Hauptstadt und hofft, dass ihre Herkunft nicht auffällt, andernfalls stirbt für die Secundi ihre einzige Hoffnung, befreit zu werden.

Buchtagebuch und weitere Informationen

Tagebuch (4) – 06.06.2019

Gerade schreibe ich das vierte Kapitel und hänge etwas. Ich muss jetzt den armen jungen undschuldigen Elyas ein wenig seelisch brechen. Seufz! Fällt mir nicht leicht. Das ganze Setting drumherum auch nicht. Noch weniger, dass gerade wenig Zeit ist, um sich hineinzuversetzen. Alles doof hier! Aber das geht vorbei.

Tagebuch (3) – 30.05.2019

Ich habe ein Cover entworfen und dafür ein Mockup gebaut. Sollte ich einen Verlag dafür finden, könnte es zwar alles wieder anders werden, aber ich wollte was designen. Jetzt. Fürs Portfolio. Mehr zur Gestaltung könnt Ihr im Design-Bereich sehen.

Graue Stadt Coverdesign auf einem 3D-Modell

Tagebuch (2) – 15.05.2019

Die ersten drei Kapitel für die Graue Stadt sind geschrieben und wurden abgetippt. Es ist schon ein erster Korrekturlauf. Das Interessante ist, dass ich die ersten beiden Kapitel (also ein Antonia- und ein Elyaskapitel) geschrieben habe, ohne die Charaktere geformt zu haben. Soll man eigentlich nicht so machen. In meinem Fall sehe ich es von zwei Seiten. Elyas‘ Charakter hat sich beim Abtippen noch mal geändert. Bei Antonia ist es nicht so schlimm, oder sogar interessant, sie steht unter dem Einfluss gedächtnislöschender Substanzen und zeigt am Anfang entsprechend wenig individuellen Charakter. Er entwickelt sich langsam mit dem Wiedererlangen ihrer Erinnerungsfähigkeit. Und kaum hat sie ihn wieder, muss sie sich schon mit Friedrich, ihrem Mit-Flüchtling anlegen. Ach Antonia … 😉

Verlegen und Messen

Auf der BuchBerlin im November 2018 konnte ich bereits erste Kontakte knüpfen und alte Bekannte wieder besuchen. Hierbei lernte ich auch andere Menschen kennen, die schreiben und illustrieren. Spannend war es auch auf der Leipziger Buchmesse, wo ich mich über verschiedene Wege, etwas zu veröffentlichen, informiert habe. Es gibt verschiedene Modelle, einige Stufen zwischen komplettem Selfpublishing und Verlag, aber auch verschiedene interessante Verlage.

Charakterentwicklung (5) – Das Enneagramm

Eine Teilnehmerin unserer Schreibgruppe fragte uns, ob wir das Enneagramm kennen. Ein Persönlichkeitsmodell, nachdem es neun Wahrnehmungsstrukturen oder Typen gibt. Sie empfahl uns einen sehr ausführlichen Test, den wir mit unseren Charakteren machen können. Das ist wohl unter einigen Autoren bekannt. Wie dem auch sei, Antonias Testergebnis ist Typ 8, die herausfordernde Starke (kämpferisch, direkt, durchsetzungsstark, konfliktfreudig, beschützend, weicher Kern, den sie leider oft für Schwäche hält). Elyas wurde ein Typ 1, Perfektionist, Reformer (ordnungsliebend, pedantisch, angespannt, fleißig, akkurat, hat einen inneren Kritiker und einen Anspruch das Richtige zu tun). Das Enneagramm ist sehr hilfreich, um Kontinuität in die Charaktere zu bringen und ihnen Tiefe zu verleihen. Natürlich ist das nur eine sogenannte Charakterfixierung, eine Grundstruktur, und die Figuren haben ihre Geschichte und individuelle Persönlichkeiten.

  • Skizze von Antonia, die Enneagrammtyp 8 ist
    Enneagramm-Typ 8
  • Skizze von Elyas, der ein Enneagrammtyp 1 ist.
    Enneagramm-Typ 1
  • Skizze Enneagramm Typ 8 und Typ 18
    Inspiriert von einer Textzeile aus dem Lied „Eight“ von Sleeping At Last: Show me how to lay my sword down For long enough to let you through

Plot (2) – When it all falls into place

Ich stehe eines Mittwochs auf und sofort bin ich mit den Gedanken bei dem Buch. Und auf einmal ist er da, der Plot! Na, zumindest das Ende. Es hat sich eine weitere Sache bestätigt, die ich in dem Kurs gelernt habe. Erst die Charaktere, dann kommt der Plot dann irgendwann von allein. Und so war es. Kennt ihr den Moment, wenn alles auf einmal zusammenkommt und einfach ist? Und logisch, als steckte eine tiefe Wahrheit dahinter? Ein Wunder? Na gut, jetzt reichts. Aber ein solcher Moment hat schon was Magisches.

Jetzt musste ich nur dafür sorgen, dass ich endlich mal Ruhe zum Schreiben hatte. Mein Körper hat teilweise mitgearbeitet, als mich eine Schwere und Schwäche ergriff, eines Sonntags, und ich tatsächlich eine Verabredung abgesagt habe. An dem Nachmittag nahm ich das Schreibzeug und schrieb Antonias Biografie und die ganzen geschichtlichen Hintergründe der Story auf. Es war wie eine Geburt. Graue Stadt hatte nun einen Ablauf der Geschichte.

Plot (1) – Igitt, Liebe!

Ein weiterer Tipp beim Schreibkurs von Claudia Bauer war, den Figuren Songs zuzuordnen. Ein Song von meiner Lieblingsband passte so gut auf die beiden, ist aber ein Liebeslied, dass es dann doch eine Liebesgeschichte gibt.

So was ist mir bisher noch nie passiert und somit ist Graue Stadt die erste Geschichte solcher Art. Es hat Spaß gemacht, die beiden sich nähern zu lassen, und die Charaktere haben dadurch nur gewonnen. Eigentlich wäre es aufgrund des Verlaufes der Geschichte schon merkwürdig, wenn keine Liebe vorkäme.

  • Weihnachten 2018, Antonia und Elyas küssen sich, Vektorillustration
  • Antonia und Elyas Kussszene Skizze
  • Antonia und Elyas Skizze - Graue Stadt

Charakterentwicklung (4) – Antonia und Elyas

Ein paar Skizzen, wie ich die Figuren entwickelt habe – viel Spaß!

  • Antonia läuft mit leerem Blick durch die Graue Stadt- Skizze
  • Antonia hat die Graue Stadt verlassen und schaut nach vorn - Skizze
  • Antonia, Skizzen von verschiedenen Emotionen
  • Skizze Elyas von oben
  • Skizze von Elyas, Montagsblues
  • Elyas, Skizzen von verschiedenen Emotionen

Charakterentwicklung (3) – Antonia und der Entschluss

Am Ende des Schreibkurses hatte ich total Bock und haderte mit mir selbst: Wann soll ich dafür auch noch Zeit finden? Soll ich das wirklich machen? Wir hatten Tipps zur Charakterentwicklung bekommen, unter anderen ihn zu zeichnen. Zeichnen ist ja für mich Pflicht.

Es ergab sich auch bald die Chance: Ich hing an meinem Telefon in der Warteschleife. Ich wartete. Und zeichnete. Und da war Antonia. Die erste Skizze. Und sie sagte mir, „du schreibst das Ding!“ Sie ließ mir keine Wahl – so ist sie eben. Antonia bekam grüne Augen und eine rote Kurzhaarfrisur. Sie hat eher harte Gesichtszüge, schließlich musste sie viel durchmachen und ist eine Kämpferin. Aber sie kann auch ganz anders sein, wenn …

Erste Skizze für Graue Stadt - Antonia
Die erste Antonia

Charakterentwicklung (2) – Elyas (1)

Ich saß in der Schreibgruppe und auf einmal hatte ich seinen Namen im Kopf. Elyas sollte ein kleiner, störrischer, bequemer, pubertierender Jugendlicher werden, der in einer Gegenwelt zu Antonias Welt aufwächst. Seine Generation hat alles, wird alles haben, doch kennt das Gefühl, gebraucht zu werden, nicht. Er wohnt in der Hauptstadt (ja, ich habe es nicht so mit Namen), in der alles modern, leicht und bequem ist. Elyas war erst als Antagonist gedacht. Als ein frecher, naiver Junge, der Antonia jagt und töten will, bis er merkt, was eigentlich in der los ist und Seiten wechselt.

Er ist aber nie so geworden. Ich weiß gar nicht, wie es dazu gekommen ist, aber er ist eigentlich das Gegenteil geworden. Ich hatte vor, dass er am Anfang fröhlicher ist, aber nicht komplett, man merkt seinen Eltern und ihm eine Unzufriedenheit und einen Überdruss an dem bequemen Leben an. Seine Eltern haben keine Arbeit, weil sie nicht mehr gebraucht werden und ein Haushaltsroboter nimmt ihnen auch zu Hause alles ab. Elyas graust es vor ihrem sinnlosen Dasein und ein bisschen auch vor seinem.

Ich wollte die Gegenseite einer solchen watteweichen Welt aufzeigen. Nun, er will die andere Menschenrasse kennenlernen (würde ich sicherlich auch wollen). Ich weiß nicht, wie es dazu kam, hier erlebte ich eine kleine Umkehr meiner Charaktere. Aufgrund dieser Wahrheit, die Elyas jetzt erfährt und aufgrund der Grausamkeit, die dahintersteckt und die er selbst ausüben soll, wird er depressiv und ernst. Es kehrte sich also um und Antonia wurde jetzt der positivere Part der beiden, eine intuitive, neugierige, etwas wilde Frau, die den jungen Mann ein bisschen aufheitert.

  • Erste Skizze Elyas
    Bevor mir klar wurde, dass Elyas kein gewitzter Antagonist ist.
  • Zweite Skizze Elyas
    Nachdem mir klar wurde, dass Elyas kein gewitzter Antagonist ist. Gleich ein ganz anderer Mensch.

Charakterentwicklung (1) – Antonia (1)

Viel Zeit war verstrichen, es war Herbst geworden. Genauer, Oktober. Bunte Blätter hingen schon hier und da an den Bäumen und Sträuchern, und alles andere, das so zum Herbst gehört, passierte auch in jenem Jahr zuverlässig. Weil wir 2018 hatten, blieb das schlechte Wetter ein wenig auf der Strecke. Genug der Atmosphärenbeschreibung. Eine Freundin aus der Schreibgruppe und ich besuchten einen VHS-Kurs der Autorin Claudia Bauer. Er fand am Schäfersee in Berlin statt, ein Wochenendkurs. Thema Protagonist-Antagonist. Wir sollten für eine Übung einen Namen und ein Alter aufschreiben. Ich schrieb „Antonia, 27 Jahre“, hatte ja sonst niemanden für diese Übung, und reichte das Papier weiter.

Anhand des Namens sollten wir weitere Eigenschaften aufschreiben. Nach jeder Angabe sollte das Papier weitergereicht werden und jeder im Kurs ergänzte etwas, bis der Zettel einmal rum war. Und wollt ihr wissen, was bei Antonia, 27 Jahre drauf stand? Tja, ich habe den Zettel nicht mehr, aber ich weiß noch, dass sie braune Haare und praktische Kleidung bekam. Ihre Charaktereigenschaft war „stark“. Also, es war schon sehr viel Antonia da. Dann gab es den Charaktersteckbrief mit verschiedenen Angabemöglichkeiten.

Antonia bekam nicht viel Vergangenheit, ihr sozialer Stand war Sklavin, an ihre Familie konnte sie sich nicht erinnern, vom Charakter her war sie ernst, eher depressiv, am Anfang. Trotzdem schon stark und kämpferisch. Körperlich war sie sehr dünn und abgearbeitet. Da sie wenig hatte und so ernsthaft war, konnte sie mit allem, was nicht zum Überleben benötigt wurde, wenig anfangen, wie Religion, Lieblingsessen und solche Dinge.

Der Arbeitstitel war vorerst Grau, aber später änderte ich ihn in Graue Stadt.

Tagebuch (1) – Es fing an mit einer Reizwortgeschichte (Frühling-Herbst 2018)

Ich bin in einer Schreibgruppe und liebte das Schreiben schon immer. Einmal in der Woche treffen wir uns und schreiben eine Stunde. Danach lesen wir vor und geben uns Feedback. Ich war seit einiger Zeit etwas ideenlos und hatte Gefallen daran gefunden, Schreibübungen zu machen. Aus der Schule kennen wir noch die Reizwortgeschichten. Man suche sich 8 bis 10 Reizwörter raus und schreibe daraus einen Text.

Es geschah im Frühling 2018. Ich suchte mir aus einem russischen Roman Wörter raus und begann eine düstere Szene zu schreiben, in der eine Arbeiterkolonne in grauen, abgewetzten Kleidern stumpfsinnig durch die trostlosen Straßen einer Stadt läuft. Sinnentleert, jeden Tag die gleiche Strecke, die Seitenstraßen scheinen eine staubige Kulisse.

Dann sollte die Frau, die langsam aus dem Trott erwacht, einen Namen bekommen. Namensfindung kann mich von Schreiben ganzer Geschichten abhalten, deswegen nahm ich an der Stelle noch mal das Buch und fand einen kryptischen Namen, der entfernt an Anna erinnerte. Eine sehr enge Freundin von mir heißt aber schon Anna, weshalb ich mir den Namen weiter anschaute und Antonia fiel mir ein. Ja, kenn ich keine, passt.

Die Szene hatte nach einer Stunde schreiben kein Ende. Hatte ich auch nicht den Anspruch, meine Schreibgruppenmitglieder wollten aber wissen, wie es weitergeht. Naja, mache ich einen Vierteiler draus. Das hat aber auch nicht geklappt. Schreibe einen Plot, hieß es dann. Ich will jetzt aber kein Großprojekt anfangen, hieß es von mir zurück.

Dann rückte ein anderes Problem in den Vordergrund und es verging viel Zeit.

Die „Graue Stadt“ geisterte in meinem Hinterkopf herum, aber ich hatte weiterhin keine Lust auf ein großes Projekt und sowieso keine Idee für den Plot, so etwas ist schwieriger bei einer Dystopie. Trotzdem befasste ich mich mit dem Thema Dystopie, bei einem gesellschaftlichen System sei es wohl immer so, dass die Dystopie eine Utopie ist, also aus einer gut gemeinten Idee entspringt. Diese Idee kann nicht umgesetzt werden, wird missbraucht oder fordert Opfer. Das ganze System schlägt um und der Traum wird – nicht unbedingt für alle Beteiligten – zum Alptraum.

Das ganze Thema Plotten bedrückte mich, also schrieb ich hin und wieder mal weiter, wehrte mich aber dagegen, das Projekt als Projekt anzunehmen, weil ich mir keinen Druck machen und nicht etwas Großes anfangen wollte, auf das ich dann auf halber Strecke keinen Bock mehr haben würde, weil ich keine Hand und keinen Fuß reinbekommen würde.

Entweder ich verschreibe mich dem Ganzen und mache es richtig oder sage, dass ich nur solange was dafür schreibe, wie ich nichts Besseres zu tun habe, und wenn es was Besseres gibt, mache ich das. Kein schöner Zustand, aber was voller Enthusiasmus planlos und schnell anzufangen und dann diesen Luftrausmoment zu erleben ist noch blöder.

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