Geschichten

Wo ist sie hin, die Spießigkeit?

Oder: Von der Fähigkeit, Dinge, die einem schon peinlich sind, noch schlimmer zu machen. Ein Buchprojekt

Es fing so an: In der ratternden U-Bahn wurde mal wieder „Ausstieg rechts“ angekündigt. Da überkam mich ein Gedanke. Was, wenn ich jetzt einer von den übereifrigen Menschen wäre,
die sich schon an die Tür gestellt haben? Und wenn ich so penibel wäre, dass mir das jetzt tatsächlich peinlich wäre? Und nehmen wir mal an, es wäre mir so unangenehm, die Seite zu wechseln, dass ich da nicht aussteigen würde? Frühsport mimen? Sich wieder hinsetzen (nein, dann denken alle, ich hätte mich in der ganzen Station geirrt!!!)? Abwarten, bis es mal links rausgeht?
Wie viele Stationen es bis dahin wohl wären? Nun, ich würde zur richtigen Tür gehen, wenn ich falsch stünde. Das nur nebenbei bemerkt. Dennoch habe ich 11 Geschichten, die sich mit den kleinen Alltagspeinlichkeiten auseinandersetzen, zusammengetragen.

 

Illustrierte Seite mit Text aus dem Buchprojekt "Geschichten", Herr Ackermann fährt in der Bahn zur ArbeitIllustrierte Seite mit Text aus dem Buchprojekt "Geschichten", Herr Ackermann stellt sich in der Bahn an die Tür, doch an der falschen SeiteIllustrierte Seite mit Text aus dem Buchprojekt "Geschichten", Herr Ackermann bleibt in der Bahn stehen, bis er links rauskannIllustrierte Seite mit Text aus dem Buchprojekt "Geschichten", Sonntagmorgen auf dem Land, wo Klaus und Anett jetzt wohnenIllustrierte Seite mit Text aus dem Buchprojekt "Geschichten", Klaus möchte gern noch schlafen, doch die Nachbarn könnten redenIllustrierte Seite mit Text aus dem Buchprojekt "Geschichten", Klaus hat die Rolläden geöffnet und kann nicht mehr schlafenIllustrierte Seite mit Text aus dem Buchprojekt "Geschichten", Herr Jürgens sprachlos bei einer RedeIllustrierte Seite mit Text aus dem Buchprojekt "Geschichten", beim Arbeitsessen beim Chinesen traut sich Frau Rosenthal nicht mit Stäbchen zu essen

In Anlehnung an Loriots Humor

Vicco von Bülow, bekannt als Loriot, hatte sie oft in seinen Sketchen und Filmen eingesetzt. Diese bedachte Art des Menschen, Würde zu bewahren und sich nicht zu blamieren. Angelehnt an seinen Humor habe ich mich bei diesem Projekt an einer gewissen Eigenschaft der Menschen orientiert. Es ging mir um diese gewisse Verklemmtheit, wenn man nicht zugeben will, dass man sich einen kleinen Fehler geleistet hat, dass man sich geirrt hat, dass man etwas nicht bis zur Perfektion beherrscht.
Der Moment, wenn wir lieber stundenlang herumirren, als uns die Blöße zu geben, nach dem Weg zu fragen. Im Alltagsleben scheinen solche Geschichten nicht mehr die große Rolle zu spielen. Liegt das daran, dass sich unsere Kulturen vermischen und gerade die jüngere Generation weniger steif ist? Daran, dass uns nichts mehr peinlich ist? Oder kann es eher sein, dass wir einfach nach wie vor nicht gern darüber reden? Denn als ich in meiner Umgebung fragte, bekam ich einige solcher Geschichten zu hören.

Auf dieser Seite gibt es zwei der dreiseitigen Geschichten komplett zu sehen, und noch einige Beispiele, wie andere Seiten in dem Buch aussehen. Das Projekt ist im Studium entstanden und seitdem liegt es hier als Büchlein. Ich würde mir sehr wünschen, es irgendwann noch einmal aufzugreifen und weitere Geschichten zu erzählen.