#Charactersofseptember2020

Die vollständigen Interviews mit den Protagonisten meines dystopischen Romans Graue Stadt für die Challenge #CharactersOfSeptember2020

Im September startete die Autorin Gabi Büttner die Challenge #CharactersOfSeptember2020, bei der die Protagonisten 30 Fragen beantwortet haben. Ich habe meine Protagonistin Antonia und meine zweite Hauptfigur Elyas mit diesen Fragen interviewt. Da Antonia zu viele Antworten gab, die Inhalte und Zusammenhänge zu früh preisgeben würden, habe ich die Challenge über Facebook mit Elyas laufen lassen. Anfang Oktober postete ich zusätzlich Antonias Antworten in gekürzter Fassung. Viel Spaß beim Lesen!

Interview von Elyas

Du hast fünf Sätze, um dich selbst vorzustellen

Mein Name ist Elyas Richter und ich bin 19 Jahre alt. Ich bin Soldat in einer sogenannten Spezialeinheit des Militärs und mein Job beinhaltet, dass ich dieses System unterstützen muss, in dem Menschen aufs Furchtbarste gequält werden. Ich hasse diesen Job, aber so seltsam wie es in unserer angeblich so weichgespülten Welt, in der sich jeder selbst verwirklichen kann, klingt, man hat mir keine Wahl gelassen. Aufgrund meiner Arbeit befinde ich mich eigentlich in einer ausweglosen Lage und würde manchmal am liebsten … Schluss machen. Wäre Antonia nicht da, hätte ich das auch längst getan, hoffentlich wenigstens nicht, ohne vorher irgendwas gegen diese Ungerechtigkeit getan zu haben, das wäre nicht in Ordnung.

Gefragt waren ja nur fünf Sätze, aber ich erkläre lieber noch ein bisschen die Hintergründe, ich weiß nicht, wie gründlich meine Autorin ist, die denkt sich am Ende noch solche Dinge wie: „Es gibt doch eine Infobox auf meiner Seite dafür, oder?“

Also, wir schreiben das Jahr 2076, es ist Anfang November und in unserer Welt gibt es eine neue Rassentrennung. Vor ungefähr 30 Jahren hat man entdeckt, dass sich von den Menschen eine Unterart abgespalten hat. Man hat sie Homo sapiens secundus getauft, weil diese Menschen direkt von uns abstammen. Die Secundi, so nennt man sie kurz, sollen ein wenig einfacher sein als wir, und vor über 20 Jahren lebten sie an den Stadträndern und es hat heftige Auseinandersetzungen gegeben. Warum, das hat man uns in der Schule nicht erzählt und auch sonst nirgendwo.

Vor 20 Jahren gab es die Großen Aufstände, alle Secundi wurden aus den Hauptstädten in die Industriestädte geschafft. Die beiden Menschensorten wurden komplett voneinander getrennt, zumindest im normalen Leben. Wir wussten immer, dass es sie gibt, als Kinder, ich war fasziniert, wann immer ich von diesen anderen Menschen hörte, doch bis zum Ende meiner Ausbildung beim Militär habe ich nicht einen Secundus zu Gesicht bekommen.

Und als ich dann die Wahrheit sah … (Schluckt heftig, atmet tief durch) Sie werden in Kolonnen durch die Stadt getrieben, alles ist grau, da sind giftige Dämpfe in der Luft, und sie arbeiten jeden Tag 12 Stunden und mehr. Sie sind Sklaven. Und ich … ich dachte während der Ausbildung, ich würde mit ihnen arbeiten, sie versorgen, betreuen, Konflikte lösen und so weiter. Stattdessen lernte ich zu kämpfen, Waffen zu benutzen, Aufstände niederzudrücken … Ihr wisst jetzt sicherlich, worauf ich hinaus will.

Was ich erzählt habe, ist bei Weitem noch nicht alles, was den Secundi angetan wird, aber ich kann jetzt nicht mehr …

Eins noch: Vor ungefähr einem Monat habe ich eine Frau gefunden, eine Secunda, Antonia. Zur Zeit verstecke ich sie in meiner Baracke. Sie will die Wahrheit ans Licht bringen und ist deshalb aus ihrer Industriestadt geflohen. Doch der Weg wurde ihnen so erschwert, wer immer flieht, stirbt unterwegs. Beinah wäre auch Antonia gestorben. Und ich hätte sie eigentlich … eigentlich … auch töten müssen.

Wie bist du aufgewachsen?

Ich bin in der Hauptstadt aufgewachsen, bei meinen Eltern, und habe eine kleine Schwester, Miriam. Ich habe so gern mit ihr gespielt. In der Schule hatte ich wenige Freunde zum Spielen, weil ich wenig Zeit zum Spielen hatte. Meine Eltern wollten aus irgendeinem Grund immer, dass ich Bestnoten nach Hause bringe und mich sonst auch anstrenge. Das ist heutzutage eigentlich gar nicht mehr nötig, schon etwas absonderlich … Na ja, nun sehe ich ja, was ich davon habe. (Seufzt)

Was ist deine früheste Erinnerung?

Als ich zwei Jahre alt war, kamen die Eltern eines Tages und stellten ein kleines Bettchen vor mich hin, in dem meine Schwester lag und schlief. Eigentlich kann ich mich an gar nichts sonst aus der Zeit erinnern, aber daran erinnere ich mich sehr klar. Ich war einfach überwältigt und habe sie ewig lange angesehen. Irgendwann fragte Mutter, ob ich Miriam nicht anfassen möchte. Ich hatte Angst, ihr weh zu tun. Als ich sie am Köpfchen streichelte, gähnte sie und schaute mich verschlafen an. Weiter kann ich mich nicht erinnern.

Bist du mit deiner Familie ausgekommen? Stehst du ihr nahe?

Nein. Nur Miriam. Oh, ich antworte schon in unvollständigen Sätzen. Das habe ich wohl von Antonia.

Was wolltest du werden, als du ein Kind warst und was ist letztendlich aus dir geworden?

Was aus mir geworden ist? Ein psychisches Wrack, das nicht mehr leben will. Was ich werden wollte, wusste ich nicht. Ich sollte und musste immer so viel machen, dass es mich gestresst hat, darüber auch noch nachzudenken. Als ich mein Abi in der Tasche hatte, dachte ich, ich ziehe aus, habe meine Ruhe, und mache alles, was die anderen statt zu lernen gemacht haben. Ich nahm mir vor zu zocken und Tiefkühlpizza zu essen. Bestimmt hätte ich dann auch Lust auf irgendwas bekommen, wer weiß. Ich glaube, lange hätte ich Untätigkeit nicht ausgehalten. Aber andererseits hätte ich schon einen klaren Kopf bekommen müssen.

Hattest du irgendwelche Vorbilder? Wenn ja, beschreibe sie.

Nicht direkt, aber ich habe Buchautoren und Komponisten klassischer Musik schon immer bewundert. Ich schätze Kunst im Allgemeinen sehr, wenn sie etwas aussagt und intelligent ist. Wenn sie aus dem tiefsten Gefühl kommt und echt ist, nicht nur den Zweck erfüllt, schnell billiges, buntes, knalliges Zeug zu verkaufen, das dumm macht und viel Geld einbringt.

Was hat dich erwachsen werden lassen?

(Kichert unfreiwillig) Frag mal meine Schwester, die würde dir sagen, dass ich schon erwachsen auf die Welt gekommen sei. Obwohl sie jünger ist als ich, trotzdem würde sie sagen, dass sie das einfach weiß.

Aber ich weiß, wie im Allgemeinen solche Fragen gemeint sind, da geht es um so einen Knackpunkt im Leben, ab dem man alles Kindliche verliert. (Zieht scharf Luft ein) Das wäre dann bei mir wohl, als ich den Schweigevertrag unterschreiben musste, am Anfang meiner Ausbildung beim Militär. Da las ich, dass man mich töten würde, wenn ich nicht über das, was ich da tat, schwieg. Ich hatte eine schlimme Vorahnung in dem Moment, auch wenn ich wirklich nicht wissen konnte, wie schlimm es tatsächlich werden würde. Bis zum Ende der Ausbildung hatte ich ja gedacht, den Secundi ginge es gut. Trotzdem lernte ich so einige Dinge, die nicht zu dem passten, was ich tun wollte. Auch der Vertrag passte nicht zu dem Lächeln, mit dem man mir eine verheißungsvolle Zukunft versprach.

Es war wie eine schöne Maske über einer dunklen Fratze, die aber nur hier und da mal kurz Risse bekam. Eigentlich wusste ich, dass ich unaufhaltsam auf etwas Schreckliches zusteuerte, egal, wie schön man es mir präsentierte. Ich hatte das Gefühl, nichts dagegen tun zu können. Vielleicht habe ich mir das auch selbst eingeredet und die schlimme Vorahnung verdrängt. Bis auch das schlagartig nicht mehr ging.

Welche drei Worte beschreiben deiner Persönlichkeit am besten? Welche drei Worte würden andere benutzen, um dich zu beschreiben?

Ummmm … (Überlegt) Korrekt, ordentlich … hmmm, vielleicht ein wenig altklug. Wenn du Antonia fragen würdest, würde sie bestimmt „niedlich“ sagen. Das hat sie einmal, als … na ja, tut nichts zur Sache. (Wird rot) „Nervös“ würde sie auch sagen, definitiv. Bei dem dritten Wort kann ich mich nicht zwischen „penibel“ und „klug“ entscheiden. Ersteres würde sie sagen, wenn sie mich ärgern will, letzteres, wenn sie ernsthafter antworten würde

Hast du irgendwelche besonderen Eigenarten oder Fähigkeiten? Wie bist du dazu gekommen?

In meiner Baracke fehlt es an nichts. Zur Erklärung: Ich war schon immer sehr ordentlich, fast ein bisschen perfektionistisch, was das angeht, aber seit ich diesen Job hier machen muss und in dieser Baracke lebe, ist es so, dass ich Ordnung und Regeln einhalte, weil ich sonst wohl verrückt werden würde. Wie dem auch sei, ich bin jetzt selbst manchmal überrascht, an was ich alles beim Einrichten der Baracke gedacht habe. Antonia hatte Fieber, ich hatte Eiswürfel und genug Tücher für Wadenwickel da. Außerdem war ich komplett darauf vorbereitet gewesen, eine Vegetarierin hier zu haben. Es ist alles da, was man irgendwie brauchen könnte. Na, fast alles, Anziehsachen musste ich für Antonia schon dazukaufen; das wäre aber auch wirklich ein bisschen seltsam, wenn ich diese schon hier gehabt hätte.

Wo lebst du jetzt und mit wem?

Ich lebe offiziell allein in meiner Baracke und werde überwacht. Nicht rund um die Uhr, aber da ist so ein Monitor mit Überwachungskamera, wenn ein Vorgesetzter mit mir reden will, wird übertragen, was gerade in meiner Baracke los ist und was ich tue. Und natürlich sieht man genau mein Bett. Das ist an und für sich schon ätzend genug. Ich meine, manchmal will man ja auch … Was rede ich hier eigentlich? (Räuspert sich)

Es gibt nur eine Ecke in meiner Baracke, die im toten Winkel des Monitors liegt, und da habe ich Antonia versteckt. Ich bin so froh, dass das tatsächlich gut zu gehen scheint, bis jetzt ist sie noch nicht aufgefallen. Die Vorgesetzten haben allgemein an mir schon genug herumzumeckern, das hält sie von weiteren Nachforschungen ab. Es macht ihnen Spaß, zu meckern, glaube ich, denn sie legen dabei eine Kreativität an den Tag, die man ihnen gar nicht so zutrauen würde. Antonia zieht mich dann immer damit auf.

Wie ehrlich bist du dir selbst und anderen gegenüber, wenn es um deine Gefühle geht?

Ob ich will oder nicht, ich bin ein offenes Buch, besonders für die, die mich mögen.

Traust du es jemandem zu, dich zu beschützen? Wenn ja, wem und warum?

Ja. Antonia. Weil sie es ist.

Wer ist dein bester Freund?

Antonia kann auch ein guter Kumpel sein. Ansonsten muss ich leider zugeben, dass ich keinen habe. Ich war dazu nie locker genug, oder wie man das nennt. (Wird rot)

Welche Person verabscheust du am meisten und weshalb?

Ich glaube, momentan verabscheue ich sehr viele, angefangen bei der ganzen Regierung und allen, die das mit den Secundi machen können, also, die sie quälen können und dann seelenruhig schlafen gehen. Wie ist das möglich, dass es Menschen gibt, die das können? Kann man denn überhaupt eine Welt ändern, in der es Menschen gibt, die so etwas können? Ich verstehe einfach nicht, was in ihnen vorgeht.

Bist du in der Lage zu töten? Wenn ja, unter welchen Umständen?

Nein, ich kann nicht töten. Und doch habe ich es getan. (Starrt auf den Boden)

Wenn du wüsstest, du würdest in 24 Stunden sterben, was würdest du in der verbleibenden Zeit tun?

Diese Fragen mit Sterben und Töten finde ich überhaupt nicht schön. Natürlich würde ich die ganze Wahrheit über die Secundi ans Licht bringen wollen. Aber ich wäre so nervös, da bräuchte ich Antonia, die mir dabei hilft, einen kühlen Kopf zu bewahren, und dann würden wir uns etwas Spektakuläres einfallen lassen. Und dann müsste ich sie allein zurücklassen. Das wäre furchtbar.

Was denkst du, war bisher das wichtigste Ereignis in deinem Leben?

Das wichtigste Ereignis in meinem Leben? Dass ich Antonia getroffen habe.

Was war das Peinlichste, was dir je wiederfahren ist?

Warum kommen immer so viele Fragen, die so … zu mir passen? Ich könnte Bücher schreiben. Angefangen bei … das ist mir fast zu peinlich zu erzählen! (Wird rot) Offenbar standen in der Schule viele Mädchen auf mich und ich habe es nicht mitgekriegt. Die ganze Zeit fragten sie mich irgendwas zu Mathe und luden mich zu sich nach Hause ein, um ihnen Nachhilfe zu geben und ich habe echt gedacht, sie verstehen Mathe nicht.

Dann meine Oma, die mir vor versammelter Familie für den Umzug in die Baracke ernsthaft ein Notfallset für Frauenbesuch mit Haarbürste und so was geschenkt hat und dann noch gesagt hat, ich soll nicht immer so schüchtern und ernst sein, dann würde es schon klappen mit den Mädchen. Miriam konnte nicht mehr atmen, so hat sie gelacht.

Dann bei einem Einsatz vor Kurzem bei den Secundi, bei denen Antonia sich versteckt hatte, bevor sie Richtung Hauptstadt aufbrach. Da war mir selbst noch gar nicht richtig klar, was ich für Antonia empfinde, und das eine Mädchen … ich habe ein bisschen von Antonia erzählt, damit sie mir vertrauen und wissen, dass ich Antonia helfe, da hat dieses Mädchen mich gefragt, ob ich in Antonia verknallt sei …

Ich glaube, das waren die schlimmsten Situationen, aber mir ist ziemlich schnell etwas peinlich.

Was ist deine schönste Erinnerung? Was deine Schlimmste?

Ich würde gern sagen, dass die Momente mit Antonia die schönsten sind. Aber es geht mir derzeit auch sehr schlecht, ich kann fast gar nicht schlafen, habe immer Angst und Schuldgefühle und denke oft, dass ich Antonia eigentlich von mir fernhalten müsste. Ich meine, ich merke ja, dass sie mich auch mag. Ja, bei ihr merke ich es, es wäre vielleicht besser, wenn ich bei ihr auch so eine lange Leitung hätte wie bei den Mädchen in der Schule. (Lacht bitter) Das alles überschattet die schönen Momente mit ihr, sodass ich es irgendwann nicht mehr aushalte und sie von mir weg stoße.

Folglich ist meine schönste Erinnerung an Momente, in denen ich Miriam etwas beibringen konnte. Da war das alles noch nicht so … da hatte ich noch niemanden getötet und war ein normales Kind.

Meine schlimmste Erinnerung ist der Moment, als ich die beiden Secundi getötet habe. Mehr möchte ich nicht darüber sagen.

Welches Tier wärst du und warum gerade dieses?

Momentan eins, das sich vollständig in der Erde vergraben kann. Oder eins, das so stark ist, dass es die Wahrheit ans Licht bringen kann … und danach seine Lebensenergie verbraucht hat. Entschuldige, das sollte ich jetzt so nicht sagen, ich habe doch Antonia. Ich habe das Gefühl, sie nicht verlassen zu dürfen, das wäre überhaupt nicht gut. Eigentlich will ich auch nur mich verlassen und nicht Antonia.

Wovor hast du am meisten Angst? Hast du irgendwelche Phobien?

Ich habe Angst vor dem, was ich getan habe und was ich tun muss. Außerdem habe ich Angst, dass ich nicht mehr lange durchhalte und es selbst mit Antonia an meiner Seite nicht aushalte, am Leben zu sein. Ich habe Angst vor dem Leben. Vor jedem weiteren Tag. Vor jeder Nacht noch mehr. Da brauche ich so etwas wie Phobien nicht.

Wenn du dir eine übernatürliche Fähigkeit aussuchen könntest, was würdest du wählen?

Weitermachen wie vorher. Entschuldige, die letzten Fragen haben mich etwas mitgenommen, ich suche mir etwas Anderes aus. Ich würde gern die Menschen dazu motivieren können, etwas Anderes zu wollen als dieses stumpfe, bequeme Dasein ohne Inhalt. Ich würde gern allen zeigen, was für Wunder es gibt und wie es sich anfühlt, etwas wertzuschätzen. Und auch wie wichtig es ist, zu lernen. Und dazu braucht man all das ganze Zeug nicht, womit man uns den lieben langen Tag beschäftigt. Das wirklich hinzubekommen ohne dass die meisten gelangweilt von mir sind, das wäre irgendwie schon übernatürlich.

Wenn du etwas an dir ändern könntest, was wäre das?

Alles! Ja, ich beantworte die Frage ja schon richtig. Als erstes würde ich gern nicht dauernd rot werden und überhaupt nicht immer so nervös und ernst sein. Allerdings scheint Antonia das niedlich zu finden. Trotzdem, ich hasse es, dass ich immer rot werde.

Bist du eher spontan, oder hast du immer einen Plan?

Spontan? (Lacht ein wenig) Ich glaube, das ist so ziemlich das genaue Gegenteil von mir.

Wie gehst du mit Stress um?

Aufräumen, putzen, kritisieren. Wenn es normaler Stress ist, über den wir hier sprechen. Ich habe auch Stress erlebt, mit dem gehe ich gar nicht um. Ich bin einfach überfordert und starre vor mich hin, aber vor dem inneren Auge sehe ich die schlimmsten Abgründe und die Welt wie sie ist, nur ist sie tot. Sag das bitte nicht Antonia.

Welche drei Dinge würdest du mit auf eine einsame Insel nehmen?

Meinen E-Reader, eine Decke und … die Regel bei diesen Fragen war ja, dass es um Dinge ging, nicht Menschen, oder? Dann vielleicht mein Flugzeug. Nicht, um zu fliehen, sondern, weil es mir großen Spaß gemacht hat zu fliegen. Auch jetzt tue ich das eigentlich noch gern.

Für was möchtest du in Erinnerung behalten werden?

Dafür, dass ich Antonia geholfen habe, die Secundi zu befreien.

Wie sieht Mut für dich aus? Was verstehst du darunter?

Im richtigen Moment Nein zu sagen und grausame Befehle zu verweigern, egal, was kommt. Ich hätte nie schießen dürfen! Ich verstehe einfach nicht, wieso ich das getan habe. Und doch … wenn ich es verweigert hätte, hätte ich niemals Antonia getroffen. Hauptsache, ich mache jetzt das Richtige. Mut ist, wenn man bedingungslos für die Wahrheit kämpft und nicht unter seiner eigenen Schwäche oder Bequemlichkeit einknickt.

Welchen Rat würdest du deiner Autorin geben?

Dass sie ihr Licht nicht unter den Scheffel stellen soll.

Wenn du mit all deinen Abenteuern fertig bist, wie willst du leben?

Ich hoffe, dass ich jemals wieder leben will. Mit Antonia würde ich … es würde schon klappen. Das heißt, wenn sie das überhaupt auch möchte, anders ginge es ja gar nicht. (Wird rot) Eigentlich wünsche ich mir, dass sie nie mehr weggeht. Ich freue mich jeden Tag darauf, sie zu sehen.

Oh je, schreib das öffentlich und ich habe zukünftig noch etwas für die Liste der peinlichsten Dinge, die mir passiert sind. Trotzdem, ich nehme es nicht zurück.

Interview von Antonia

Hinweis: Um Spoiler zu vermeiden, sind bei Antonias Interview einige Antworten zensiert.

Du hast fünf Sätze, um dich selbst vorzustellen

Ich heiße Antonia und bin eine Secunda, eine Zweite. Wir werden unterdrückt, versklavt und mit Spritzen dumm gemacht, damit wir einfach nur unsere Arbeit erledigen. Ich hatte einen klaren Moment und bin mit Friedrich geflohen. Dann bin ich losgezogen Richtung Hauptstadt und habe Elyas getroffen. Hört sich nach vielen Männergeschichten an, was? (Grinst)

Wie bist du aufgewachsen?

In einem Ranzloch von Industriestadt. Erst hab ich in so einem überfüllten Kinderheim gelebt, das ein Arbeitslager war. Wir mussten Kuscheltiere und Kissen nähen, besticken und so weiter. Manchmal auch Spielzeug bemalen oder so. Wurden geschlagen, wenn wir eingepennt sind oder was falsch gemacht haben. (Rest zensiert)

Was ist deine früheste Erinnerung?

(Lacht) Da war ich drei oder vier und Papa hat mich nur kurz allein in der Wanne gelassen, um ein Handtuch zu holen. Ich hab dann fleißig das Wasser aus der Wanne geschaufelt, auf den Fußboden. Alles war nass. Mein Vater hat einen halben Anfall bekommen.

Bist du mit deiner Familie ausgekommen? Stehst du ihr nahe?

(Antwort zensiert)

Was wolltest du werden, als du ein Kind warst? Was ist letztendlich aus dir geworden?

(Antwort zensiert)

Hattest du irgendwelche Vorbilder? Wenn ja, beschreibe sie.

Hmmmm. Meinen Vater, aber sag das bloß niemandem.

Was hat dich erwachsen werden lassen?

Das Leben als Zweite. (Rest zensiert)

Welche drei Worte beschreiben deine Persönlichkeit am besten? Welche drei Worte würden andere benutzen, um dich zu beschreiben?

Ach so, hmmm. Weiß nicht. Ich hatte in all der Zeit nicht viel von mir. Was würde Elyas sagen: Spontan, direkt, rothaarig. Ich glaub, er mag mich.

Hast du irgendwelche besonderen Eigenarten oder Fähigkeiten? Wie bist du dazu gekommen?

Ich kann sehr gut Dinge um mich herum instinktiv wahrnehmen. Sagt Elyas. Anscheinend können viele Zweite das. Ich weiß nicht, woher das kommt. Vielleicht bilden sich die Instinkte aus, wenn man nicht mehr denken darf oder so.

Wo lebst du jetzt und mit wem?

(Raunt geheimnisvoll) In einer kleinen Kuschelecke, versteckt bei einem jungen Mann, der mich eigentlich töten sollte, und wenn wir entdeckt werden, werden wir beide umgebracht. Das ist schon aufregend. Und Elyas ist irgendwie schon süß! Und riecht gut. Außerdem wird er dauernd rot, vor allem, wenn ich ihn ein bisschen sexy angucke oder Witze in die Richtung mache. Manchmal regt er sich künstlich auf, wenn ich ihn ein bisschen ärgere … hi hi!

Wie ehrlich bist du dir selbst und anderen gegenüber, wenn es um deine Gefühle geht?

Ich habe keine Gefühle. Geh weg! Na gut, ganz so nicht, aber ich rede lieber über andere Dinge.

Traust du es jemandem zu, dich zu beschützen? Wenn ja, wem und warum?

Ich wünsche mir so sehr, dass Elyas das tun kann. Aber nur, wenn er dabei nicht sein Leben aufs Spiel setzt. Eigentlich tut er es ja schon. Beides.

Wer ist dein bester Freund?

Elyas.

Welche Person verabscheust du am meisten und weshalb?

Meinen V … ich weiß nicht.

Bist du in der Lage zu töten? Wenn ja, unter welchen Umständen?

Uff, was sind denn das für Fragen? Ja, wenn es sein muss und wenn es nicht Elyas, Mellie, Jonas, Tanja, Ines oder Albert sind. Na ja, auch da kommt es auf die Umstände an. Wenn es hieße, töte den Einen oder alle Zweiten müssten weiter so leben … Zum Glück sind solche Fragen nicht echt. Könnte ich so einen ausgemergelten Zweiten töten, der mich darum bitten würde, wie Elyas? Als er mir das erzählt hatte, dachte ich zuerst, wenn der eh sterben wollte, was ist dabei? Ich habe doch auch so viele einfach umfallen und sterben sehen. Aber jetzt sehe ich, was es mit Elyas gemacht hat und … ich bin mir nicht sicher, ob ich das könnte.

Wenn du wüsstest, du würdest in 24 Stunden sterben, was würdest du in der verbleibenden Zeit tun?

Ein Riesenspektakel machen, damit die Wahrheit ans Licht kommt. Ich bräuchte Elyas‘ Hilfe, wenn er nicht zu nervös würde. Ich würde trotzdem aufpassen, dass er nicht bemerkt und nicht auch getötet wird, ist mir egal, ob er das will oder nicht. Der wird gefälligst alt und grau, dafür sorge ich. Wehe, er bringt sich um!

Was denkst du, war bisher das wichtigste Ereignis in deinem Leben?

Elyas zu treffen. Hoffe ich zumindest. Ich hoffe, es war nicht das dümmste Ereignis, das meinen Verstand aussetzen lässt.

Was denkst du, war bisher das wichtigste Ereignis in deinem Leben?

Elyas zu treffen. Hoffe ich zumindest. Ich hoffe, es war nicht das dümmste Ereignis, das meinen Verstand aussetzen lässt.

Was war das Peinlichste, was dir je widerfahren ist?

So was ist mir total egal. Eigentlich scheine ich eher Dinge zu machen, die dann meinen Begleitern peinlich sind. Hi hi, oh, ich muss mich echt zusammenreißen, wenn ich mal frei rumlaufen darf und mit Elyas unterwegs bin.

Was ist deine schönste Erinnerung? Was deine Schlimmste?

(Antwort zensiert)

Welches Tier wärst du und warum gerade dieses?

Katze, Löwin … Mist, dann müsste ich ja Fleisch essen. Ach, Menschen sind sowieso Tiere.

Wovor hast du am meisten Angst? Hast du irgendwelche Phobien?

Also, fast zu verhungern war schon abartig. Da bekommt man Angst, Panik, und dann … war ich darüber hinaus. Das war einfach nur noch eklig.
Im Moment bekomme ich Angst, wenn ich Elyas manchmal sehe. Nicht vor ihm, um ihn. Und irgendwie auch um mich, wenn ich ehrlich bin. Ich würde ja schon mittlerweile allein klar kommen, aber … ich weiß auch nicht.
Was genau waren doch gleich Phobien? (Überlegt) Hab ich nicht.

Wenn du dir eine übernatürliche Fähigkeit aussuchen könntest, was würdest du wählen?

Kurz mal meine Stimme in die Köpfe auf der ganzen Welt übertragen zu können. Am besten auch gleich Bilder. Dann könnte ich mir die ganzen Umstände sparen. Bräuchte nur noch mal mit Elyas in meine Industriestadt zu fliegen, mit meinen Augen Fotos zu machen und diese zu übertragen. Klick! Biiiiieeep! Guckt mal, das sind eure tollen Secundi!

Wenn du etwas an dir ändern könntest, was wäre das?

Irgendwas, damit ich Elyas helfen kann … und damit er dann bei mir bleiben kann.

Bist du eher spontan, oder hast du immer einen Plan?

Spontan. (Grinst)

Wie gehst du mit Stress um?

Elyas ärgern. Irgendwelche blöden Witze reißen. Danach könnte man sich ja auch mal überlegen, was zu tun wäre, nicht wahr? Es gibt immer irgendeine Lösung.

Welche drei Dinge würdest du mit auf eine einsame Insel nehmen?

Elyas, das Schultablet, sein Flugzeug. Klamotten eher nicht. (Grinst)

Für was möchtest du in Erinnerung behalten werden?

Die Welt gerettet zu haben. Also, die Zweiten.

Wie sieht Mut für dich aus? Was verstehst du darunter?

Hinzusehen, egal wie unbequem es ist, gnadenlos hinzusehen. Nicht wegzulaufen. Die Wahrheit suchen. Wenn nicht passt, was man sieht, muss man es eben ändern.

Welchen Rat würdest du deiner Autorin geben?

Ach, die kommt alleine klar.

Wenn du mit all deinen Abenteuern fertig bist, wie willst du leben?

Vielleicht, wenn ich mit Elyas … nee, warte mal! Das soll jetzt nicht heißen, dass ich ihn nicht mag und eigentlich wäre mir nichts lieber als mit ihm zusammen zu leben. Aber er will ja vielleicht gar nicht … leben … (Schluckt) Wenn die Abenteuer erst mal vorbei sind … ich hoffe, dann kommen neue Abenteuer.