#aprilsettings2020

… ist eine Autorenchallenge, die die Autorin Gabi Büttner diesen April ins Leben gerufen hat. Pro Tag im April gibt es eine Frage. Hier seht Ihr Antonias und Elyas‘ Antworten. Begleitet sie auf ihrer Reise durch den April.
Anmerkung der manchmal etwas peniblen Autorin: Diese Fragen werden in die Zukunft geschickt, die beiden antworten im November/Dezember, sonst passt es nicht in die Story.
Anmerkung 2: Als Protagonistin sollte erst nur Antonia antworten und Elyas ihr assistieren. Man sieht, was daraus wird … ^^

#aprilsettings2020-Graue-Stadt-01
Stell dich bitte mit maximal drei Sätzen vor. Zusätzlich hast du 3 Wörter, um dich selbst zu beschreiben.

Ich heiße Antonia und bin 27 Jahre alt. Ich bin aus einer Industriestadt geflohen, in der Zweite, also Menschen, die angeblich einer anderen Rasse angehören, nur arbeiten müssen, und noch viel mehr. Das mit der Menschenrasse ist eine Lüge und die werde ich aufdecken.
Drei Wörter: stark, frei, instinktiv.

#aprilsettings2020-Graue-Stadt-02
Wo und in welcher Zeit lebst du? Ist dieser Ort fiktiv oder real?

Antonia: Es ist eure Welt in … lass mich rechnen, ich wurde mit sieben Jahren aus der Schule genommen … 56-57 Jahren. Ich wechsele die Orte. Zuerst lebe ich in einer Industriestadt, aus der ich nach 20 Jahren Sklavenarbeit und Gehirnwäsche fliehe. Zur Zeit verstecke ich mich bei Elyas, der mir übrigens Unterricht gibt, sonst könnte ich das hier gar nicht schreiben. Deswegen seht ihr heute mal ein Bild von ihm.
Er mag den Begriff Zweite nicht, es heißt eigentlich Secundi, von Homo sapiens secundus. Soll ich erklären, schöne Grüße von Elyas!
Unser Ziel ist es, ich in die Stadt, aus der Elyas kommt, zu bringen und den Menschen die Wahrheit zu sagen. Sie leben in Luxus und keiner weiß, was mit uns Zweiten geschieht. Wer es bei seiner Arbeit erfährt, darf nichts sagen, sonst wird er von seiner Familie getrennt oder getötet. Wenn sie erfahren, dass Elyas mich hier hat, töten sie ihn. Mich auch, aber das ist ja klar.
Leider ist der Ort Realität, und das immer wieder in der Geschichte. Es hört nicht auf.

#aprilsettings2020-Graue-Stadt-03
Spielt der Schauplatz eine entscheidende Rolle für deine Geschichte? Wenn ja, welche?

Antonia: Ja. Die zweite Frage verstehe ich nicht. Elyas?
Elyas: Ich verstehe es auch nicht ganz. Vielleicht sollst du beschreiben, was unsere Welt emotional in dir auslöst.
Antonia: Na toll! Weiß ich doch nicht!
Elyas: Bleib ruhig und spür in dich rein.
Antonia: Muss ich? (Atmet durch) Ist kein tolles Gefühl. Ich bin nicht geflohen, weil ich ein Abenteuer erleben will und wiederkomme, wenn mir langweilig ist. Was soll diese Frage? Es tut weh, daran zu denken! Mann!
Elyas: Vielleicht ist auch eher gemeint, dass du daran denkst, wie du die Welt verändern willst.
Antonia: Das ist wirklich sinnvoller. Passiert ist passiert, jetzt müssen wir einen Weg finden, wie wir die Zweiten da rausholen. Und dich auch, Elyas.

#aprilsettings2020-Graue-Stadt-04
Denkst du, dein Autor könnte deine Geschichte an einem anderen Schauplatz spielen lassen? Wie würde das die Geschichte verändern?

Antonia: Der Schauplatz ist, im Grunde genommen, … ein gutes Wort dafür ist …, austauschbar. Ja, das trifft es genau. Er ist nur ein Beispiel dafür, wie es überall im Land ist. Aber nur in diesem Land.
Es gibt die Industriestädte, die Nummern statt Namen haben. Ich kann ziemlich sicher sagen, dass es wohl in jeder Industriestadt gleich aussieht. Dann gibt es die Städte, in denen die anderen Menschen leben. Ich komme ursprünglich aus der Hauptstadt und Elyas ebenso. Das ist schon praktischer als jede beliebige Stadt, denn da sitzen ja auch die Politiker. Mehr sage ich dazu jetzt nicht. Elyas hat mir neulich das Wort Spoiler erklärt. Das Wort ist lustig, aber was es bedeutet, ist ärgerlich.
Zurück zur Frage. Nein, der Schauplatz ist ganz schön wichtig. Würden wir in einer anderen Stadt in diesem Land leben, wäre es komplizierter, aber nicht unmöglich. Würden wir in einem anderen Land leben, bräuchte die Autorin das Buch gar nicht erst zu schreiben.

#aprilsettings2020-Graue-Stadt-05
Gibt es eine Besonderheit an deinem Schauplatz? Wenn ja, welche?

Antonia: Die wichtigste Besonderheit ist, dass eine zweite Menschenrasse erfunden wurde.
Ja, erfunden. Einige Menschen wurden erst nur an den Rand der Gesellschaft gedrängt. Viele Menschen, die für Hungerlöhne arbeiteten, und die Schulbildung war ein Witz. Klar kam es zu Diskussionen. Also erklärte man sie einfach zu einer anderen Menschenrasse, die ein bisschen dümmer und gewalttätiger ist, als die anderen. Jetzt waren sie die Zweiten und alles wurde schlimmer. Es war vom Gesetz her okay, sie schlecht zu behandeln.
Das Problem war: Man hat gesehen, wie sie behandelt wurden, wenn man in die Randgebiete der Städte reiste. Man hat protestiert. Deshalb gab es vor 20 Jahren die Großen Aufstände und alle Zweiten wurden in die Industriestädte verfrachtet. Auch ich. Von da an bekam niemand mehr mit, wie wir behandelt wurden. Und wir wurden und werden schlimmer als je zuvor behandelt.

#aprilsettings2020-Graue-Stadt-06
Beschreibe deinen liebsten Schauplatz mit drei Stichworten. Welche Gefühle verbindest du mit dem Ort?

Antonia: sicher, ordentlich, zweisam.
Mir ist egal, wo, ich möchte frei und bei Elyas sein. Deswegen habe ich „ordentlich“ geschrieben. Elyas ist sehr ordentlich. Ich liebe ihn.

#aprilsettings2020-Graue-Stadt-07
Gibt es Orte, die du gar nicht magst? Wenn ja, warum ist das so?

Antonia: Ja. Die graue Industriestadt, in die ich mit sieben Jahren verschleppt wurde. 20 Jahre habe ich dort gelebt, dann bin ich abgehauen. Lieber sterbe ich, als da hin zurückzugehen.

#aprilsettings2020-Graue-Stadt-08
Was würdest du in deiner Welt gerne verändern, wenn deine Autorin dich lassen würde?

Antonia: Nichts.
… (Schweigt, fängt an, ihre Hände zu betrachten)
Elyas: Antonia? Willst du die Frage nicht endlich richtig beantworten?
Antonia: Was? Reicht doch. Die Geschichte ist eine Dystopie, es würde reichlich sinnlos sein, da was zu verändern. Aber Elyas, wenn du mich schon so fragst, fällt mir doch gerade noch was ein. Die Autorin könnte uns beide ruhig mal öfter miteinander …
Elyas: Antonia! (Wird rot)
Antonia: … kuscheln lassen. (Grinst)

#aprilsettings2020-Graue-Stadt-09
Was ist der seltsamste Ort, an dem du jemals warst?

Antonia: In der Industriestadt sind wir in Kolonnen zur Arbeit und von der Arbeit gelaufen. Wir gingen immer dieselben Straßen lang. Es gab viele Nebenstraßen, an denen wir vorbeigelaufen sind, aber wir durften den Weg nicht verlassen. Jeden Tag habe ich die Nebenstraßen gesehen, aber einfach nicht mehr daran geglaubt, dass es sie wirklich gibt.
Als ich aus der Kolonne ausgebrochen war, war ich plötzlich in so einer Nebenstraße. Ich konnte sie entlanggehen. Sie war wirklich da, nicht nur eine Abbildung. Sie zerfiel auch nicht zu Staub oder löste sich nicht in nichts auf.
Klar, so etwas geht auch gar nicht, aber nach all der langen Zeit kam es mir einfach unwirklich vor. Die Welt außerhalb war noch da, das konnte ich kaum glauben.

#aprilsettings2020-Graue-Stadt-10
Karfreitag – Feiertag in unserer Welt. In deiner auch? Welche Feiertage gibt es in deiner Welt?

Antonia: Keine Feiertage für die Zweiten. Elyas, heute bist du dran.
Elyas: Muss ich? Das ist deine Sache, lass mich da mal besser raus.
Antonia: Was ist denn auf einmal mit dir los?
Elyas: Nichts. Ich beantworte diese Frage nicht.
Antonia: Jetzt sei nicht so zickig! Du machst alle nur noch neugieriger.
Elyas: (Seufzt) Ich hasse das alles eben. Dieser ganze Konsum, und dann scheinheilig beieinander sitzen, sich von den Verwandten erzählen lassen, was für ein lieber Junge man ist, und hinterher sagen einem die Eltern gleich wieder, was man alles falsch gemacht hat. „Wäre es zu viel verlangt, deine eigene Großmutter mal anzulächeln, Elyas? Du könntest ruhig etwas netter zu allen sein und mehr reden, Elyas! Was sollen die Verwandten von uns denken, Elyas?“
Ach ja, Ostern hat eigentlich eine hochreligiöse Bedeutung, aber glaubst du, irgendwer kennt die noch? Glaubst du, irgendwer fastet noch und übt sich in Verzicht, wie es, zumindest einmal im Jahr, sein sollte?
Nein, nur Spaß wollen alle haben! Bloß nicht mal tiefer gehen! Bloß nicht mal nachdenken und sich mit der eigenen inneren Leere befassen! Ich könnte mich ewig darüber aufregen!

#aprilsettings2020-Graue-Stadt-11
Haben die Feiertage eine Bedeutung für dich? Wenn ja, welche?

Antonia: Elyas!
Elyas: Zuerst entschuldige ich mich für meinen Ausraster gestern.
Ergänzend zur gestrigen Frage; wir haben dieselben Feiertage wie ihr. Anhänger anderer Glaubensrichtungen bekommen an den Feiertagen ihrer Religion meistens zusätzlich frei. Bei den Feiertagen christlichen Ursprungs wissen wir leider fast gar nicht mehr, was dahintersteht. Also, ich weiß es schon, ich interessiere mich sehr für Geschichte.
Um ehrlich zu sein, macht es mich sehr traurig, dass die Feiertage zu so etwas Bedeutungslosem verkommen sind. Ich lese viel darüber, wie es einmal gewesen sein muss. Die Menschen müssen sich einmal geborgen gefühlt haben in ihrer Gemeinde, die Freude und die Werte untereinander geteilt haben, Rituale, Gebete und Feste gemeinsam abgehalten haben. Das würde ich gern mal erleben, und nicht das, was jetzt daraus gemacht wird. Das bedeutet mir gar nichts.

#aprilsettings2020-Graue-Stadt-12
Es ist Ostern. Beschreibe uns ein Feiertagsritual deiner Welt.

Antonia: Als ich klein war, habe ich Eier gesucht, glaube ich. Elyas will ich nicht mehr länger quälen, ich glaube, schön war es bei ihm nie so wirklich.
Elyas: Außer, dass meine kleine Schwester sich immer so gefreut hat.
Antonia: Jetzt sind wir beide ja erwachsen und können uns doch eigentlich das Fest so schön machen, wie wir wollen, Elyas.(Elyas ist sprachlos und schaut Antonia mit glänzenden Augen an)
Antonia: Wir haben zu tun! Frohe Ostern euch!

#aprilsettings2020-Graue-Stadt-13
Gibt es ein besonderes Essen zu Feiertagen in deiner Welt? Wenn ja, welches? Wenn nein, verrate uns dein Lieblingsessen.

Antonia: Elyaaaaas! Mir fällt nichts ein! Ich meine, ich esse alles gern. Wie ist es bei dir?
Elyas: Keine Ahnung … hör endlich auf, mich deine Fragen beantworten zu lassen! Du kannst das auch beantworten, so, wie ich dich kenne, erinnerst du dich doch an nichts aus deiner Kindheit so gut wie ans Essen.
Antonia: Ich kann trotzdem nicht antworten. Spoiler.
Elyas: Herrgott noch mal! Und ich will mich jetzt nicht über ungesunde Völlerei an Feiertagen und Lebensmittelverschwendung aufregen. Lassen wir die Frage einfach aus, ja?
Antonia: Genau! Hören wir auf zu reden, davon kriege ich Hunger. Wie wäre es mit ungesunder Völlerei? Was haben wir denn überhaupt zu essen da?
Elyas: Antonia, wir haben doch erst vor zwei Stunden gegessen … warte!
Antonia: (reißt die Kühlschranktür auf) Viel haben wir nicht mehr.
Elyas: (seufzt) Und diese Frau will 20 Jahre lang nur das Nötigste gegessen haben … Das ist physikalisch unmöglich!

#aprilsettings2020-Graue-Stadt-14
Wer war die verrückteste, beeindruckendste, gefährlichste Person, der du in deiner Welt begegnet bist?

Antonia: Alles auf einmal? Das geht doch gar nicht. Gefährlich war der Typ, der mich töten sollte, als ich sieben war. Aber es war ein Auftrag, deswegen ist man nicht gleich verrückt. Und beeindruckend ist der schon lange nicht, nur feige. Elyas ist beeindruckend.
Elyas: Beeindruckend? Ich bin doch auch nur feige. Ohne dich hätte mich längst einfach umgebracht, nach dem, was ich getan habe. Etwas Feigeres gibt es nicht.
Antonia: Und das glaube ich dir nicht, Elyas. In deiner Situation ist man nicht feige, wenn man darüber nachdenkt, sich umzubringen. Du hättest auch ohne mich nach einem Weg gesucht, wenigstens vorher die Wahrheit über die Zweiten aufzudecken. (Lehnt sich an Elyas, der mutlos auf den Boden starrt) Du bist stark, glaub mir.

Wenn Du dir einen Ort aussuchen könntest und Geld keine Rolle spielen würde, wo würdest Du gerne leben?

Antonia: HA HA, der ist gut! (Kriegt sich nicht mehr ein)
Elyas: Darf ich die Frage mal sehen? (Schaut sich die Frage an und lächelt tatsächlich ein wenig, schaut Antonia an, die immer noch lacht)
Antonia: (Atmet tief durch) Mal im Ernst, ein Ort, der größer als ein paar Quadratmeter ist und an dem ich in Ruhe mit meinem Freund … reden kann, würde mir reichen. Ach ja, und ich würde gern nicht umgebracht oder in die Kolonne zurückgesteckt werden, wenn man mich irgendwo frei rumlaufen sieht. Der Rest ist egal.

#aprilsettings2020-Graue-Stadt-16
Und wo möchtest du auf gar keinen Fall leben?

Antonia: Da.
(Anmerkung der Autorin: Die Industriestadt, in der sie 20 Jahre lang als Sklavin leben musste.)
Antonia: Wenn man die meiste Zeit seines Lebens an einem einzigen Ort verbracht hat, werden die Antworten irgendwann immer dieselben. Elyas, was sagst du?
Elyas: Bei meinen Eltern.

#aprilsettings2020-Graue-Stadt-17
Wie würde dein ultimatives Traumhaus aussehen?

Antonia: Keine Ahnung. Elyas, eine Frage für dich.
Elyas: Warum denn? Ich sehe keinen Grund, dass du sie nicht selbst beantworten kannst. Es ist deine Challenge und ohne triftigen Grund beantworte ich deine Fragen nicht.
Antonia: Ich mag solche Fragen nicht. Ich habe kein Traumhaus und das ist das Letzte, woran ich gerade denke. Verschwendete Zeit. Das Hier und Jetzt ist wichtig.
Elyas: Aber zu träumen kann doch auch etwas Schönes sein.
Antonia: Und wenn der Traum nicht in Erfüllung geht? Schwachsinn! Lieber gucken, was ich JETZT tun kann.
Elyas: Wenn man manchmal ein bisschen träumt, weiß man aber besser, worauf man hinarbeitet.
Antonia: Von mir aus, ich bin aber unkreativ. (Kauert sich verärgert zusammen)
Elyas: Setzt dich die Frage unter Druck?
Antonia: (knurrt) Ja.
Elyas: Beantworte sie einfach nicht, das macht doch nichts. Versprich mir aber bitte, darüber nachzudenken, wenn du so weit bist.
Antonia: Mhmmm …

#aprilsettings2020-Graue-Stadt-18
Welches Land steht ganz oben auf deiner Reise-Liste? Was war dein schönstes Urlaubserlebnis?

Antonia: (gelangweilt) Möööööp!
Elyas: (aufgeregt) Darf ich antworten? Darf ich?
Antonia: Was? Na klar!
Elyas: Es ist nämlich so, die Flugzeuge, die wir haben, sind modern … Brennstoffzellen … Klimawandel!
Antonia: Elyas, du hast Zeit.
Elyas: Okay. (Atmet durch) Ich vermute, also ich bin mir relativ sicher, dass wir technisch gesehen so weit wären, klimaneutral die ganze Welt zu bereisen. In Wirklichkeit sind unsere Fahr- und Flugzeuge aber so gebaut, dass wir kaum die nächste Stadt damit erreichen. Und eben auch nicht über die Industriestädte fliegen können, um zu sehen, was mit den Secundi gemacht wird. Also, ich ja, ich bin beim Militär und soll die Secundi eigentlich … Wie dem auch sei, das wird alles damit begründet, dass es in eurer Zeit, oder ein bisschen später, beinahe zur Klimakatastrophe gekommen sei. Unser Land ist weltweit technisch und wirtschaftlich vorn, das heißt, was hier erfunden wird, danach richtet sich die Welt. Wir haben ja auch die Arbeitskräfte dafür, die wir nicht bezahlen müssen.
Wir haben extra Gebiete für Urlaube, meist künstlich angelegt. In andere Länder würde ich gern mal reisen, in meinen Büchern steht so viel darüber. Bücher bringen mich sowieso in andere Welten, eigentlich habe ich während unserer Familienurlaube nur gelesen. Das war schön.

#aprilsettings2020-Graue-Stadt-19
Lieber Wildcampen oder Luxushotel?

Antonia: Luxus-Love-Hotel mit Elyas.
Elyas: Antonia! Woher kennst du solche Dinge?!? (Wird rot, wühlt seinen E-Reader durch, den er Antonia geliehen hat, ursprünglich, damit sie lesen lernt)
Antonia: Guck mal bei der japanischen Literatur. (Grinst)
Elyas: Das ist doch … Was sind das überhaupt für Fragen in letzter Zeit? Ich denke, hier geht es darum, dass wir uns ernsthaft mit unserer Welt auseinandersetzen.
Antonia: Tu ich doch gerade. Wie ist deine Antwort?
Elyas: Wildcampen. Sollte ich jemals überhaupt noch mal Lust auf so was wie Urlaub verspüren, will ich in der Natur sein, weit weg von allem hier. (Sieht Antonia an, lächelt traurig) Und ich will natürlich, dass wir beide unsere Ruhe haben.

#aprilsettings2020-Graue-Stadt-20
Welche Sprachen sprichst du, welche würdest du gerne sprechen und warum gerade diese? Sprichst du irgendwelche Dialekte?

Antonia: Wat? Na klar, Alter, Dialekt is doch knorke!
Elyas: … (Starrt Antonia mit entgleisten Gesichtszügen an)
Antonia: Wat issen los, Süßer? Dit haste allet uff deinem E-Reader druff. Da is n Buch, dit heißt „Anleitung für alte Dialekte“ oda so ähnlich. Sojar mit Audiobeispieln. Allet in Ordnung mit dir? Bist so blass. Sach doch ooch mal wat!
Elyas: Ähm … (Räuspert sich) Ich habe Englisch und Französich in der Schule gelernt, aber kein Bedürfnis, einen Dialekt, ich meine, eine weitere Fremdsprache zu lernen.

#aprilsettings2020-Graue-Stadt-21
Hast du Wurzeln aus fremden Ländern?

Antonia: Angeblich sogar aus einer anderen Menschenrasse. Hrmpf! Elyas?
Elyas: (Schaut Antonia voller Mitgefühl an)
Antonia: Elyas!
Elyas: Was? Ach so, die Frage. Was mich betrifft, ich weiß es nicht. Ich glaube nicht. (Traurig) Ist ja eigentlich auch egal.
Antonia: Du, wir schaffen das schon und dann wird alles gut, ja?
Elyas: (Abwesend) Hm, ja …

#aprilsettings2020-Graue-Stadt-22
Du wirst auf eine einsame Insel verbannt und darfst nur einen Gegenstand mitnehmen. Welcher wäre das?

Antonia: Elyas natürlich.
Elyas: Das ehrt mich, aber ich bin kein Gegenstand.
Antonia: Na und?
Elyas: Die Regel besagt, dass es ein Gegenstand sein soll
Antonia: Ist mir egal. Und wenn wir schon mal bei der Frage sind, wer sagt denn, dass ich mich freiwillig verbannen lasse? Dann reiße ich die Verantwortlichen aber mit in den Abgrund. Oder nehme eine Selbstmordpille. (Grinst herausfordernd)
Elyas: (Beeindruckt) Wow, ich dachte, ich gebe dir den E-Reader, damit du richtig lesen lernst, aber wenn du so etwas kennst, musst du ja schon etliche Bücher gelesen haben.
Antonia: Ich lese eben alles, was mich interessiert. Was würdest du denn mitnehmen?
Elyas: (Lächelt) Dich.

#aprilsettings2020-Graue-Stadt-23
Wenn es eine persönliche Flagge für dich gäbe, wie würde sie aussehen?

Antonia: (Malt ein Bild auf das Tablet. Es zeigt eine schwarze Figur mit roten Haaren, die Frisur ist die von Antonia. Auf ihrer Brust ist eine Zwei, die mit Rot durchgestrichen ist. Neben der Figur ist ein rotes Herz.)

#aprilsettings2020-Graue-Stadt-24
Welche Gesetze gibt es in deiner Welt?

Antonia: Ich antworte leise, wenn Elyas die Frage sieht, hält er einen ewigen Vortrag oder liest das Grundgesetz vor.
Es gibt zwei Gesellschaften, die Normalos, zu denen Elyas gehört, und die Zweiten, wie die wirklich heißen, weiß Elyas, aber den frage ich jetzt nicht. Ich bin so eine. Elyas sollte mich töten. Das ist schon mal eins der Gesetze.
Die Gesetze für die Zweiten sind einfach: Wir dürfen nichts, haben nichts, bekommen nichts und dürfen dafür auch noch arbeiten.
Die Gesetze für die anderen sind auch einfach: Sie haben alles, kriegen alles und müssen nicht arbeiten. Aber reisen dürfen sie nicht so richtig, und Fragen stellen auch nicht. Die meisten werden verwöhnt und weich im Kopf gemacht. Und einige, so wie Elyas …
Elyas: Ja, was ist? Ist die Frage für heute da? Die lassen sich heute ja Zeit.
Antonia: Was? Ach, ich glaube, heute kommt gar keine Frage.
Elyas: Das ist doch Unsinn, irgendetwas ist doch hier faul.
Antonia: Okay, ich wollte die Frage allein beantworten, damit du keine stundenlangen Vorträge hältst. Entschuldige.
Elyas: Wie bitte? Meinetwegen, aber rechne nicht damit, dass ich deine Fragen beantworte, wenn du morgen wieder ankommst mit „Elyyyyaaaas“?

#aprilsettings2020-Graue-Stadt-25
Wenn du König oder Königin eines eigenen Landes wärst, welche Gesetze würdest du erlassen?

Antonia: Na gut, Elyas, das lasse ich dich beantworten, für gestern.
Elyas: Was? Hast du mir gestern überhaupt zugehört? Vergiss es!
Antonia: Aber ich will dir deswegen ja die heutige Frage geben. Guck doch mal.
Elyas: (Liest die Frage, seine Miene hellt sich auf) Verstehe, also los! Dass es keine zweite Menschenrasse gibt; dass all jene, die ihnen etwas angetan haben, zur Rechenschaft gezogen werden — auch ich. Sie werden es wieder gut machen müssen, ihnen helfen oder ihr Vermögen mit ihnen teilen.
Dass es ein vernünftiges Bildungssystem gibt, in dem die Kinder wieder was lernen und auf ein sinnerfülltes Leben vorbereitet werden. Dass die Kinder wieder richtig lesen, schreiben und sprechen lernen. Dass es wieder vielfältige Literatur gibt und nicht nur diesen Schrott, der die Menschen verblödet. Dass wichtige Berufe in der Pflege und im Gesundheitswesen wieder von Menschen durchgeführt werden, die gerecht dafür bezahlt werden. Es sollte unterstützt werden, dass die Menschen mehr gemeinsam machen, anstatt dass sich jeder selbst der Nächste ist. Manipulation, Korruption und Diskriminierung werden abgeschafft.
Und in die Wissenschaft könnte auch mehr investiert werden. Da liegt einiges im Argen … Ach, Antonia, ich könnte ein ganzes Buch darüber schreiben! Das hat jetzt echt gutgetan, danke für die Frage.

#aprilsettings2020-Graue-Stadt-26
Wenn du nur noch ein Lebensmittel deiner Welt für den Rest deines Lebens essen könntest, welches wäre das und warum gerade dieses?

Antonia: Echt jetzt? (Lacht sich schlapp) Chips.
Elyas: Igitt, Antonia!
Antonia: Was denn? Ich mag Chips.
Elyas: Das ist doch total ungesund!
Antonia: Wenn es nach Gesundheit geht, geht doch gar nichts außer dieser widerliche Haferschleim, den ich 20 Jahre lang essen musste.
Elyas: Oh, entschuldige, ich wollte nicht … Ich habe nicht nachgedacht, als ich das sagte.
Antonia: Ist dir auch keiner böse. Haben wir Chips da?
Elyas: Ja. (Seufzt) Wenn du nicht eh viel zu dünn wärst, würde ich so etwas gar nicht erst kaufen.

#aprilsettings2020-Graue-Stadt-27
Du musst wählen: Welchen Charakter hättest du gerne als Mitbewohner?

Antonia: (Kommt herein, gut gelaunt) Die beste Frage war gestern, ich glaube, ich kann mit der Challenge aufhören. (Grinst, liest die Frage) Oh, hab ich schon. Der Charakter von meinem geliebten Mitbewohner …
Elyas: … meines geliebten Mitbewohners …
Antonia: … meines geliebten Mitbewohners ist über-ordentlich, nervös, ein bisschen spießig, einfach nur toll!
Elyas: Das sind jetzt nicht gerade gute Eigenschaften, die du aufzählst.
Antonia: Ich will dich ja auch behalten. Wenn ich die guten Eigenschaften aufzähle, wirst du noch entführt, weil dich dann jeder haben will. Ich habe dich genau so lieb, wie du bist.
Elyas: … (Wird rot)
Antonia: Willst du auch antworten?
Elyas: (Nimmt Antonia in den Arm und küsst sie)

#aprilsettings2020-Graue-Stadt-28
Gibt es verschiedene Jahreszeiten in deiner Welt? Wenn ja, welche magst du am liebsten?

Antonia: Wir leben ja in eurer Welt, nur in der Zukunft. Allerdings gibt es in den Industriestädten, wo die Zweiten leben, nur ein Wetter: Grau.
Wenn alles klappt und wir auch wieder woanders leben dürfen, freue ich mich am meisten auf den Sommer. Baden gehen, draußen im Park sitzen, Urlaub, das wär toll …
Elyas, willst du auch was sagen? Du hast die Jahreszeiten die ganze Zeit erlebt.
Elyas: Hm. (Schaut traurig zu Boden) Ich weiß nicht, ich glaube, ich mochte mal den Frühling am liebsten. Momentan habe ich nicht wirklich Lust, rauszugehen und anderen zu begegnen, da ist wohl der Winter am besten geeignet.

#aprilsettings2020-Graue-Stadt-29
Was ist der wertvollste Gegenstand, die du jemals draußen auf der Straße gefunden hast?

Antonia: (Lacht) Die Challenge ist so cool! Elyas, komm mal her, eine Frage für dich!
Elyas: (Kommt mit Putzlappen in der Hand aus der Küche, nicht ganz ernst gemeint) Diese Challenge hält mich auf Dauer ganz schön von der Hausarbeit ab. Zeig mal. (Liest, deutet ein Lachen an)
Da war mal so ein schöner Stift auf dem Gehweg, als ich 16 war …
Antonia: Elyas!
Elyas: … und so eine halb verhungerte Frau vor ein paar Wochen, die im Staub lag, die hartnäckig daran festhält, dass wir Gegenstände sind, und findet, dass die Einöde hier draußen eine Straße ist.
Antonia: Mann, bist du … mir fällt kein Wort ein.
Elyas: Spitzfindig, penibel, kleinkrämerisch, pedantisch, kleinlich, pingelig, haarspalterisch, oberlehrerhaft …
Antonia: (Lacht)

#aprilsettings2020-Graue-Stadt-30
Wie denkst du sieht deine Welt in 50 Jahren aus?

Antonia: Keine Ahnung.
Elyas: Und weiter?
Antonia: Nichts weiter.
Elyas: Ja, die Frage ist schwer, zugegebenermaßen. Ich wage nicht, viel zu hoffen, außer dass der Begriff Homo sapiens secundus nur noch im Geschichtsunterricht verwendet wird. Alles andere wäre reine Spekulation. Na ja, und ich würde gern mit Antonia zusammenleben.
Antonia: (Total gerührt) Echt? Das würde ja heißen, dass du leben willst.
Elyas: Hmmm … Eher, dass ich gern leben wollen würde …
Antonia: (Seufzt, nimmt Elyas in den Arm)
Elyas: … und wir haben dann ganz viele Kinder und Enkel. (Lächelt traurig)
Antonia: Nicht so wichtig, ich brauche nur dich.